Die Krankheits- und Heilungsgeschichte der Gottliebin Dittus in Möttlingen – Teil 1

Fast 3 Jahre dauerte der Befreiungskampf von Zauberei und Dämonen

Sieg über die Hölle

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Gottliebin Dittus, eine junge Frau aus Möttlingen wurde in dem Jahren um 1842 von bösen Geistern heimgesucht. Der Befreiungskampf dauerte viele Monate und führte am Ende zu einer großen christlichen Erweckung, wo sich tausende Menschen zu Gott bekehrten. Aufgeschrieben von Johann Christoph Blumhardt.

Anmerkung

Nachfolgender Aufsatz wurde im August 1844 der K. württ. Oberkirchenbehörde auf deren Verlangen „in der Eigenschaft einer vertraulichen Mitteilung“ übergeben, kam aber ohne Wissen des Unterzeichneten durch Abschriften in Umlauf. Um die letzteren zu verdrängen, wurde der Aufsatz nach sechs Jahren lithographiert, da er vielfältig verbessert erscheint. Indessen wünscht der Unterzeichnete immer noch nicht weitere Verbreitung des Aufsatzes und bittet daher jeden Leser um freundliche Berücksichtigung seines wohlüberlegten Wunsches.

Vorwort

von Johann Christoph Blumhardt (* 16. Juli 1805; † 25. Februar 1880)

(an das Kirchliche Konsistorium)

Johann Christoph Blumhardt Möttlingen heilte Gottliebin DittusIndem ich mitfolgenden Aufsatz einer hochpreislichen Oberkirchenbehörde übergebe, fühle ich mich zu der Erklärung gedrungen, dass ich noch gegen niemand so kühn und unumwunden über meine Erfahrungen mich ausgesprochen habe. Ich werde mit verschiedenen Augen von meinen besten Freunden angesehen, und eben letztere haben mich in die peinliche Lage versetzt, gegen sie ganz schweigen zu müssen, weil es ist, als ob sie eine Gefahr fürchteten, wenn sie nur auch davon hörten, wiewohl ich ihnen auch dafür Dank schuldig bin, dass sie fortgehend während der Zeit meines Kampfes für mich zitterten.

War daher bei weitem das meiste bisher Geheimnis geblieben, das ich in meiner Brust bis ins Grab unenthüllt bewahren könnte, so stand es mir völlig frei, für diesen Aufsatz beliebige Auswahl zu treffen; und es wäre mir eine Kleinigkeit gewesen, eine Darstellung zu geben, die sich ohne allen Anstoß hätte können von jedermann lesen lassen. Das konnte ich aber nicht über mich bringen; und obwohl ich fast bei jedem Abschnitt zittern wollte, ob es nicht übereilt und unvorsichtig wäre, alles so bar herauszusagen, so lautete es doch immer wieder in mir: Heraus damit!

So sei es denn gewagt, und ich tue es auf den Namen Jesu, der Sieger ist. Eben hier ehrlich und offen zu sein, achtete ich nicht nur als Schuldigkeit gegen meine hochverehrte Oberkirchenbehörde, welche alles Recht zu einer Offenheit an mich verdient hat, sondern auch gegen meinen Henn Jesum, dessen Sache allein es ist, die ich zu verfechten hatte. Indem ich aber hier zum ersten Male mich ohne Rückhalt ausspreche, liegt mir freilich der Wunsch nahe, es möchten diese Mitteilungen mehr als Privatmitteilungen angesehen werden, als lege ein vertrauter Freund seine Geheimnisse in den Schoß seiner Freunde nieder. Ich habe nicht einmal eine leserliche Abschrift von dem Aufsatze; und schwerlich werde ich ihn sobald jemandem vorzulesen mich bewogen fühlen. Umso mehr möchte meine Bitte, wenigstens vor der Hand Öffentlichkeit zu Verhüten, Rücksicht verdienen. Ich habe nur zweimal Umständliches, jedoch nur Äußerliches erzählt, einmal in Calw, das andere Mal in Vaihingen vor freundlich scheinenden Kollegen, und wenigstens an letzterem Orte die Finger verbrannt.

Dass ich aber sonst das Licht nicht scheue, beweist dieser Aufsatz.

Eine zweite Bitte möchte auch verzeihlich sein: Es mögen die verehrten Leser öfters das Ganze lesen, ehe sie ein Urteil fallen. Indessen vertraue ich dem, der die Herzen in seiner Gewalt hat; und wie auch die Urteile ausfallen mögen, so bleibt mir die Beruhigung, ohne Hehl Wahrheit gesprochen zu haben, und obendrein die felsenfeste Gewissheit: „Jesus ist Sieger“.

Zeitungsbericht Blumhardt von Heilung der Gottliebin Dittus

Die Krankheits- und Heilungsgeschichte der Gottliebin Dittus in Möttlingen

Genannte Gottliebin Dittus ist ledig, ohne Vermögen, 28 Jahre alt, und bewohnt seit 4 Jahren gemeinschaftlich mit drei gleichfalls ledigen Geschwistern, unter welchen ein halbblinder Bruder, sämtlich älter als sie, ein geringes Parterre-Logis in Möttlingen. Ihrem glücklichen Talente und der treuen Erziehung christlicher Eltern verdankt sie es, dass sie auch bei minder gut bestellter Schule gute Kenntnisse erhielt; und der Unterricht, den sie durch meinen Vorgänger, Pfarrer Dr. Barth, jetzt in Calw wohnhaft, erhielt, und dessen sie sich bei jeder Gelegenheit dankbar erinnert, brachte eine gute christliche Unterlage in ihr Herz. Nach der Schulzeit hatte sie wohl auch anfangs Hang zur Welt, stand aber stets in unbescholtenem Rufe. Sie diente an verschiedenen Orten und steht noch jetzt in ihren Diensthäusern, namentlich in Weil der Stadt, wo sie acht Jahre war, um ihrer bewiesenen Treue willen im besten Andenken. Durch eine eigentümliche Krankheit, die Nierenkrankheit, die sie in den Jahren 1836-1838, gerade vor meiner Anstellung allhier, die im Juli 1838 erfolgte, durchmachte, und bei welcher durch die Verwendung des Pfarrers Dr. Barth und des Vikars Stotz viele und angesehene Ärzte sich an ihr versuchten, wurde ihr Christensinn entschiedener und ernster. Sie blieb seitdem hier und führte mit ihren Geschwistern ein stilles, zurückgezogenes Leben, um ihrer gediegenen christlichen Erkenntnis willen geachtet und geliebt. Es blieben ihr von der Krankheit manche körperliche Gebrechen, die meist Bezug auf den Unterleib hatten, dass sie z. B. das Wasser nie ohne ein vom Arzt erhaltenes Instrument lösen konnte, neben dem, dass sie infolge der Krankheit einen kürzeren Fuß, eine hohe Seite, Magenübel usw. behielt.

Gottliebin Dittus HausSchon mit dem ersten Eintritt in obiges Logis, das sie im Februar 1840 bezog, glaubte G., wie sie später erzählte, eine eigentümliche Einwirkung auf sich zu verspüren, die ihr um so auffallender war, da es ihr vorkam, als sähe und hörte sie manches Unheimliche im Haus. Letzteres entging auch ihren Geschwistern nicht. Gleich am ersten Tage, als sie zu Tisch betete: „Komm, Herr Jesu“ usw., bekam sie einen Anfall, bei dem sie bewusstlos zu Boden fiel. Was man hörte, war ein häufig wiederkehrendes, bisweilen die ganze Nacht durch fortdauerndes Gepolter und Geschlürfe in der Kammer, Stube und Küche, das die armen Geschwister oft sehr ängstigte, auch die oberen Hausleute beunruhigte, wiewohl alle sich scheuten, irgend etwas davon kund werden zu lassen. G. erfuhr noch besondere Dinge an sich, dass ihr z. B. bei Nacht gewaltsam die Hände übereinander gelegt wurden, dass sie Gestalten, Lichtlein usw. erblickte; ja aus ihren Erzählungen geht hervor, dass die späteren Besitzungen schon ‚in jener Zeit ihren Anfang bei ihr genommen hatten. Sie hatte von jener Zeit an etwas Widerliches und Unerklärliches in ihrem Benehmen und eine zurückstoßende Art, die vielfältig missfiel; doch ließ es jedermann so gehen, da nach der armen Waisenfamilie weiter niemand viel fragte und G. mit ihren besonderen Erfahrungen höchst verschwiegen war. Erst im Herbst 1841 kam letztere, da ihre nächtlichen Anfechtungen und Plagen einen immer höheren Grad erreichten, zu mir ins Pfarrhaus, sprach aber nur in allgemeinen Ausdrücken von ihren Anfechtungen, so dass ich nicht recht aus ihr klug wurde, auch wenig Befriedigendes ihr sagen konnte. Indessen bekannte sie von freien Stücken einiges aus ihrem früheren Leben, indem sie durch dieses Bekenntnis von den erwähnten Anfechtungen frei zu werden hoffte. Im Dezember jenes Jahres bis in den Februar 1842 herein litt sie an der Gesichtsrose und lag sehr gefährlich krank. In der ganzen Krankheit aber mochte ich sie nicht viel besuchen, weil mich ihr Benehmen abstieß, indem sie, wenn sie mich sah, bei Seite blickte, meinen Gruß nicht erwiderte, wenn ich betete, die vorher gefalteten Hände auseinanderlegte, überhaupt meinen Worten gar keine Aufmerksamkeit schenkte, ja fast besinnungslos schien, was sie doch vor und nach meinem Besuche nicht war. Ich glaubte sie damals eigensinnig, selbstgerecht, geistlich stolz, wofür man sie auch anderwärts zu halten anfing, und blieb lieber weg, als mich lauter Verlegenheiten auszusetzen. Indessen genoss sie treue ärztliche Behandlung, und am Ende erholte sie sich wieder.

Spukhaus der Gottliebin DittusEndlich, im April 1842, erfuhr ich zum ersten Male durch zwei ihrer Verwandten, die mich um Rat fragen wollten, etwas Näheres von dem Spuk im Hause, der bereits nicht mehr verschwiegen werden konnte, weil das Gepolter der ganzen Nachbarschaft bemerklich wurde. G. sah damals ganz besonders häufig die Gestalt eines 2 Jahre vorher verstorbenen Weibes von hier mit einem toten Kinde auf den Armen. Dieses Weib, erzählte sie (den Namen verschwieg sie vorsichtig und sagte ihn nur mir später), stehe immer auf einer gewissen Stelle vor ihrem Bett und bewege sich zuweilen zu ihr her und wiederhole oft die Worte: „Ich will eben Ruhe haben“ oder: „Gib mir ein Papier, so komme ich nicht wieder“ usw. – Nun wurde ich gefragt, ob man ein Näheres bei der Gestalt erfragen dürfe. Mein Rat war, G. dürfe sich durchaus in kein Gespräch mit der Gestalt einlassen, um so mehr, da man nicht wisse, wie viel Selbsttäuschung mit unterlaufe, jedenfalls gewiss sei, dass man in entsetzliche Verirrungen und Torheiten geraten könne, wenn man mit der Geisterwelt sich einlasse, sie solle ernstlich und gläubig beten, so werde die Sache nach und nach von selbst aufhören. Eine Freundin wagte es auf meine Bitte (denn eine der Schwestern diente damals auswärts, auch der Bruder war selten da, und die andere Schwester konnte nicht genügen), bei ihr zu schlafen, um ihr Gemüt womöglich von jenen Dingen abzuziehen. Das Gepolter wurde auch von dieser gehört, und endlich entdeckten sie, durch einen Lichtschimmer geleitet, unter einem Bett an der Oberschwelle der Kammertüre einen rußigen halben Bogen Papier, der überschrieben, aber um des darauf geschmierten Rußes willen unleserlich war. Daneben fanden sie drei Kronentaler und etliche Sechsbätzner , je besonders in Papiere eingewickelt, die inwendig gleichfalls mit Ruß überzogen waren. Jene Schrift schien. ein Rezept, vielleicht von geheimer Kunst, zu sein. Von da an war es etwa 14 Tage ruhig im Hause. Allein das Gepolter fing wieder an; und ein auf dem Boden hinter dem Ofen flackerndes Licht entdeckte allerlei Sachen, die da vergraben waren (denn unmittelbar unter dem Stubenboden ist die Erde). Man fand eine Schachtel mit Kölbchen, Kreide, Salz, Knochen usw., ferner mit kleinen viereckigen Papierchen, mit Pülverchen, auch anderen Papieren, in welche je 3-4 Sechser eingewickelt waren, alles durch Ruß aufs hässlichste entstellt. Was einer Untersuchung unterworfen werden konnte, wie die Pülverchen, wurde später vom Oberamtsarzt und einem Apotheker in Calw chemisch untersucht. Beide aber fanden nichts Besonderes darin, und alles Entdeckte außer dem Geld verbrannte ich in der Folge, in der Meinung, dass der wunderlichen Sache dadurch ein Ende gemacht werden könnte, was aber keineswegs der Fall war.

Poltergeister hervorgerufen von Gottliebin DittusUnterdessen nahm das Gepolter so überhand, dass alles dadurch aufgeregt wurde. Denn es ließ sich am hellen Tage wie in der Nacht hören, oft, wenn niemand in der Stube war, da Vorbeigehende dadurch erschreckt wurden, am meisten, wenn Gottliebin Dittus drinnen war, indem es vor ihr und hinter ihr, selbst auf dem Tische, diesen gewaltsam erschütternd, in Gegenwart anderer niederprallte. Der Arzt Dr. Späth in Merklingen, der stets mit Teilnahme sie behandelte, und dem sie allein bisher manches im Vertrauen mitgeteilt hatte, blieb zweimal in der Stube über Nacht nebst anderen neugierigen Personen; und was er erfuhr, übertraf seine Erwartungen. Die Sache wurde nicht nur Ortsgespräch, sondern verbreitete sich in der ganzen Umgegend, so dass selbst Reisende die Neugierde hierher trieb. Endlich entschloss ich mich, solch großes Aufsehen fürchtend, mit dem Schultheißen, Teppichfabrikant Kraushaar, einem verständigen, nüchternen und gottesfürchtigen Mann, und etlichen Gemeinderäten, zusammen 6-8 Personen, nach einer geheimen Verabredung eine nächtliche Untersuchung im Hause vorzunehmen. Wir verteilten uns je zwei in und um das Haus und kamen unerwartet gegen 10 Uhr abends. Ein junger verheirateter Mann, Mose Stanger, ein Verwandter der G., durch christliche Erkenntnis ausgezeichnet und auch sonst im besten Rufe stehend, später meine treueste Stütze, war vor uns dahin gegangen. Schon bei meinem Eintritt in die Stube kamen mir zwei gewaltige Schlagtöne aus der Kammer entgegen. In kurzer Zeit erfolgten ihrer mehrere; und Töne, Schläge, Klopfen der verschiedensten Art wurden gehört, meist in der Kammer, wo G. angekleidet auf dem Bett lag. Die anderen Wächter draußen und im oberen Stock hörten alles und sammelten sich nach einiger Zeit im untern Logis, weil sie sich überzeugten, dass alles, was sie hörten, hier seinen Grund haben müsse. Der Tumult schien größer zu werden, besonders, als ich einen geistlichen Liedervers zu singen angab und einige Worte betete. In drei Stunden wurden gegen 25 Schläge auf eine gewisse Stelle in der Kammer vernommen, die so gewaltig waren, dass der Stuhl daselbst aufsprang, die Fenster klirrten und Sand von der Oberdecke niederfiel, und ferner Ortsbewohner an ein Neujahrsschießen erinnert wurden. Daneben ließen sich schwächere und stärkere Töne, oft wie ein Spiel mit den Fingern oder ein mehr oder weniger regelmäßiges Umhertüpfeln, vernehmen, und man konnte dem Ton, der unter der Bettlade hauptsächlich zu entstehen schien, mit der Hand nachfahren, ohne im geringsten etwas zu bemerken. Wir versuchten’s mit und ohne Licht, was keine Veränderung machte, doch erfolgten die stärksten Schläge in der Kammer nur, wenn wir alle in der Stube waren, wobei aber einer unter der Türe deutlich die Stelle, worauf sie fielen, unterscheiden konnte. Es wurde alles aufs Genaueste untersucht, aber ein Erklärungsgrund konnte auf keinerlei Weise gefunden werden. Endlich gegen 1 Uhr, da wir gerade in der Stube waren, rief mich G. zu sich und fragte, ob sie, wenn sie eine Gestalt sehe, sagen dürfe, wer es sei; denn sie hörte bereits ein Schlürfen. Das schlug ich ihr rund ab; aber es war mir des Untersuchens schon zu viel geworden, und ich wollte es nicht darauf ankommen lassen, dass von so vielen Personen nun auch Unerklärliches gesehen werde. Ich hieß sie daher aufstehen, hob die Untersuchung auf und sorgte dafür, dass G. alsobald in einem andern Hause Unterkunft fand. So schieden wir vom Hause. Der halbsehende Bruder aber wollte nach unserm Abschied noch manches gehört und gesehen haben. Merkwürdig aber ist, dass gerade in jener Nacht die Unruhe am gesteigertsten war.

totes Mädchen gesehen von Gottliebin DittusDer folgende Tag war ein Freitag, und in dem Gottesdienst dieses Tages erschien auch G. Eine halbe Stunde darauf entstand vor ihrem Hause ein ungeheurer Zusammenlauf, und ein Bote meldete mir, dass sie in einer tiefen Ohnmacht liege und dem Tode nahe sei. Ich eilte hin und fand sie ganz starr auf dem Bett liegend, die äußere Haut am Kopf und an den Armen glühend und zitternd, sonst dem Ansehen nach am Ersticken. Die Stube war gedrängt voll, und ein Arzt von einem Nachbarorte, der eben im Dorfe war, war auch hergesprungen, versuchte etliches, sie zum Leben zu bringen, ging aber bald kopfschüttelnd weg. Nach einer halben Stunde erwachte sie, und ich vernahm im Stillen von ihr, dass sie nach der Kirche in der Kammer die Gestalt des Weibes mit dem toten Kinde gesehen habe, aber alsbald bewusstlos umgefallen sei. Nachmittags wurde sodann an der Stelle, auf welche die Schläge gefallen waren, nachgegraben, indem die Bodenbretter unbefestigt über der Erde lagen. Es geschah durch vertraute Männer in meiner Gegenwart. Als Mose Stanger mit der Hand die Stelle berührte, die man vorzüglich suchte, sah man ein Flämmchen daselbst aufflackern, und Mose fuhr zurück. Beim Nachforschen fand man hier zuerst etliche Papierchen, wie die oben erwähnten, nebst Pülverchen und Geldpäckchen, endlich einen Topf, der den Boden eines andern zum Deckel hatte, und kleine Gebeinchen, unter Erde vermischt, enthielt. Die Gestalt mit dem toten Kinde hatte bereits die Sage verbreitet, sie stelle eine Kindsmörderin vor, deren totes Kind man wohl im Boden finden könne; und der Totengräber, der dabei war, wollte wirklich die Gebeine, an denen sogar noch Fleisch zu sehen war, für Kindsbeinchen erkennen. Um allem Unangenehmen vorzubeugen, packte ich alsbald das Gefundene zusammen und fuhr damit in Begleitung des Schultheißen zum Oberamtsarzt, Herrn Dr. Kaiser, nach Calw, dem wir alles offen erzählten, der aber nach einiger Zeit die Gebeine für Vogelbeine erklärte. So deutete alles bisher Gefundene darauf hin, dass hier einmal eine gewisse Schwarzkunst müsse wenigstens versucht worden sein, über welche jetzt Verstorbene in Unruhe waren. Denn gerade Vögel, wie ich nun vernahm, und besonders Raben, werden häufig vom Volke zu heimlichen Künsten auf abergläubische Weise benützt.

Somnambulismus Qual der Gottliebin DittusEs lag mir nun vor allem daran, alles Aufsehen für immer zu unterdrücken. Ich verschaffte der Gottliebin Dittus einen Ort bei einer Base von ihr, später bei ihrem Vetter, dem Vater des Mose, dem Gemeinderat Johann Georg Stanger, der zugleich ihr Taufpate ist und eine zahlreiche Familie hat (es waren damals vier erwachsene Töchter und zwei Söhne zu Hause), deren sämtliche Glieder christlich gesinnt sind und jetzt sehr teilnehmend waren, daneben auch die strengste Verschwiegenheit beobachteten. Zugleich begehrte ich von ihr, bis auf weiteres möglichst ihr eigenes Haus nicht zu betreten, in das sie auch wirklich erst in der Mitte des folgenden Jahres wieder einzog. Von der Sache durfte kein besonderes Wesen mehr gemacht werden, und ich nahm mir vor, ganz im stillen mit dem Schultheißen und einigen andern verständigen Männern bisweilen Besuche bei ihr zu machen, um zuzusehen, was es werden wolle. Besonderes Grauen hatte ich vor Erscheinungen des Somnambulismus , die so häufig ärgerliches Aufsehen erregen und so wenig Gutes bisher geschafft haben; und da immerhin ein geheimnisvolles und gefährliches Feld sich hier eröffnete, so konnte ich nicht umhin, in meinen einsamen Gebeten die Sache dem Henn zu befehlen, ihn bittend, doch ja vor allen Torheiten und Verirrungen, in welche man verwickelt zu werden versucht sein könnte, mich und andere zu bewahren. Als sich die Sache ernstlicher entwickelte, hielt ich besondere Gebete und Besprechungen auf meinem Zimmer mit dem Schultheißen und Mose; und ich kann wohl sagen, dass hierdurch ein nüchterner Sinn unter uns erhalten wurde, der allein ein glückliches Ende uns versprechen konnte. Es vergingen indes mehrere Wochen, ehe das Geschrei in der Umgegend sich verlor; und viele Fremde kamen, das Haus zu besuchen. Manche wollten auch darin übernachten, um sich von der Wahrheit des in Umlauf Gekommenen zu überzeugen. Allein das Haus wurde sorgfältig verwahrt, was umso leichter geschehen konnte, da der Dorfschütze gegenüber wohnte; und Anfragen bei mir, wie einmal von drei katholischen Geistlichen der badischen Nachbarschaft, die etliche Stunden der Nacht in der Stube zubringen wollten, wies ich aufs Entschiedenste zurück. Allmählich wurde es stiller; und alles Nachfolgende ist außer Kenntnis der Gemeinde geblieben, die zwar immer merkte, dass es noch nicht richtig sei, hie und da, doch nur selten – denn die Leute fürchteten sich -, etliche Brocken vor dem Hause auflauerte, auch mich bisweilen sehr bemitleidete, im ganzen aber bis auf den heutigen Tag nichts Gewisses und Zusammenhängendes weiß. Das Gepolter in dem Hause hörte erst zu Anfang dieses Jahres (1844) ganz auf und war namentlich an den monatlichen Buß- und Bettagen unserer Kirche besonders heftig. Auch wurden stets verschiedene Gestalten wahrgenommen, wie auch an der Wand hinschleichende Lichtlein, was ich dahingestellt sein lasse, da ich selbst niemals etwas gesehen habe.

betende HändeOben erwähnte Untersuchung fand am 3. Juni 1842 statt. Bald hörte ich, dass das Gepolter um die Gottliebin Dittus auch in dem andern Hause, das sie bewohnte, fortdaure, und dass sie gewöhnlich, so oft man etwas hörte, bald darauf in heftige Konvulsionen verfalle, die immer stärker und andauernder würden, so dass sie öfters kaum 5 Minuten dazwischen hinein frei wäre. Ich besuchte sie als Seelsorger, wobei sie erklärte, es schwebe etwas vor ihren Augen her, das sie starr mache; und wenn ich mit ihr betete, wurde sie bewusstlos und sank aufs Bett zurück. Einmal sah ich sie in den Krämpfen, da eben der Arzt anwesend war. Ihr ganzer Leib zitterte und jeder Muskel am Kopfe und an den Armen war in glühender Bewegung, wiewohl sonst starr und steif. Dabei floss häufig Schaum aus dem Mund. So lag sie schon mehrere Stunden da, und der Arzt, der nichts Ähnliches je erfahren hatte, schien ratlos zu sein. Doch erwachte sie plötzlich, konnte sich aufrichten, Wasser trinken; und kaum mochte man es glauben, dass sie die nämliche Person wäre. So ging es noch einige Tage fort. An einem Sonntagabend kam ich wieder zu ihr, als mehrere Freundinnen anwesend waren, und sah schweigend den schrecklichen Konvulsionen zu. Ich setzte mich etwas entfernt nieder. Sie verdrehte die Arme, beugte den Kopf seitwärts und krümmte den Leib hoch empor, und Schaum floss abermals aus dem Munde. Mir war es klar geworden, dass etwas Dämonisches hier im Spiele sei, nach den bisherigen Vorgängen; und ich empfand es schmerzlich, dass in einer so schauderhaften Sache so gar kein Mittel und Rat solle zu finden sein. Unter diesen Gedanken erfasste mich eine Art Ingrimm; ich sprang vor, ergriff ihre starren Hände, zog ihre Finger gewaltsam wie zum Beten, zusammen, rief ihr in ihrem bewusstlosen Zustande ihren Namen laut ins Ohr und sagte: „Lege die Hände zusammen und bete: ‚Herr Jesu, hilf mir‘ Wir haben lange genug gesehen, was der Teufel tut; nun wollen wir auch sehen, was Jesus vermag.“ Nach wenigen Augenblicken erwachte sie, sprach die betenden Worte nach, und alle Krämpfe hörten auf, zu großem Erstaunen der Anwesenden. Dies war der entscheidende Zeitpunkt, der mich mit unwiderstehlicher Gewalt in die Tätigkeit für die Sache hineinwarf. Ich hatte vorher auch nicht den geringsten Gedanken daran gehabt; und auch jetzt leitete mich ein unmittelbarer Drang, von dem ich den Eindruck noch so stark habe, dass eben er später oft meine einzige Beruhigung war, weil er mich überzeugte, dass ich nicht aus eigener Wahl und Vermessenheit eine Sache unternommen hätte, deren schauerliche Entwicklung ich mir damals unmöglich hätte vergegenwärtigen können.

Blitze aus der HandNachdem sie wieder bei sich war, sprach ich ihr Mut zu, betete noch etliche Worte und hinterließ beim Weggehen, dass man mich rufen solle, wenn die Krämpfe wiederkehrten. Nachts 10 Uhr desselben Tags kam eiligst ein Bote und sagte, sie habe einen ruhigen Abend gehabt, bis eben jetzt, da die Krämpfe stärker als je sie befallen hätten. Als ich zu ihr kam, schien die Wärterin in Ohnmacht fallen zu wollen, da der Anblick über die Maßen schauerlich war. Ich versuchte alsbald obiges Verfahren, und der Erfolg war in wenigen Augenblicken derselbe. Während ich indessen verzog, fiel sie plötzlich wieder rückwärts aufs Bett. Sogleich ließ ich sie die Worte ausrufen: „Herr Jesu, hilf mir“ obwohl sie dieselben kaum herausbrachte; und so kam sie wieder zu sich, ohne dass die Krämpfe ausbrachen. Allein mit jedem Augenblicke wollte sich’s wiederholen; und so dauerte es gegen 3 Stunden fort, bis sie ausrief: „Jetzt ist mir’s ganz wohl!“ Sie hatte nun die übrige Nacht und den ganzen folgenden Tag Ruhe, bis wieder gegen 9 Uhr abends die Anfälle sich wiederholten. Ich verweilte abermals, diesmal, wie später fast immer, mit dem Schultheißen und Mose Stanger etliche Stunden bei ihr, wobei bereits sich zu erkennen gab, dass sich etwas Feindseliges aus ihr gegen mich richtete. Sie bekam grell geöffnete Augen, eine grässliche Miene, die nichts als Zorn und Wut aussprach, ballte die Hände und machte gegen mich drohende Bewegungen. Sie hielt dann wieder die offenen Hände mir dicht vor die Augen, als wollte sie mir rasch beide Augen ausreißen und so fort. Ich blieb bei alle dem fest und unbeweglich, betete in kurzen Worten meist nach biblischen Stellen und achtete keine Drohungen, die auch so erfolglos waren, dass sie niemals, auch wenn sie noch so drohend auf mich zufuhr, mich auch nur berührte. Am Ende ging alles damit vorüber, dass sie zu wiederholten Malen mit großer Gewalt die Arme auf das Bett niederschlug, wobei es das Ansehen hatte, als ob eine geistige Macht durch die Fingerspitzen ausströmte. Sie wollte noch nachher allerlei Gestalten vor sich sehen, die sich erst nach und nach verloren. So ging es noch etliche Male zu, mit Unterbrechungen von einem bis drei Tagen; und am Ende ließ diese Art von Konvulsionen ganz nach.

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